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Dramatische Werke

von Curt Goetz / Loriot

Betrachtet man die bis zur Karikatur überzeichneten Typen Loriots genauer, so versteht man die Beliebtheit, derer sich der Autor erfreut. In langsamer, arrogant anmutender Sprechweise, geben sich diese Kunst-Menschen höchst besserwisserisch. Da belehrt einer den anderen. Unsinnige Prinzipien, erhobene Zeigefinger, wichtigtuerische Gebärden oder auch künstlich steife Vornehmheit, die sichtbar aufgesetzt ist, sind immer wiederkehrende „Stilmerkmale“, die so in Szene gesetzt sind, dass man sich ihrer Wahrheit kaum entziehen kann. Loriots Figuren spiegeln auf ironisch satirische Weise ein kleinbürgerliches, verkrampftes Bemühen, endlich einmal ernst genommen zu werden.
So sind es denn auch einfache Alltagsszenen, aus denen sich eine höchst lächerliche Dramatik entwickelt. Ganz anders dagegen Curt Goetz. Seine Welt ist die galanter Lebemänner mit Charme und Esprit. So hält Goetz Konversation mit sich selbst, wenn er Herren alter Schule das Wort erteilt. Die Noblesse einer vergangenen Welt kann noch ein letztes Mal den Lorbeer erlangen, bevor die neue Nüchternheit der Moderne endgültig obsiegt. Goetzes Thematik ist somit auch eine ganz andere: Loriots Karikaturen alltäglicher Kleinkariertheit sind hier nicht auszumachen.

 

Regie: Josef Heinen

(Kommentare: 2)

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